Geriatrische Medizin

Geriatrische Medizin kennzeichnet die Berücksichtigung der Besonderheiten des älteren Menschen in ihrem gesamten Vorgehen, d.h. bei Diagnostik und Therapie sowie Prävention und Rehabilitation. Geprägt wird sie durch den ganzheitlichen Ansatz (im Gegensatz zur „Organmedizin“).

Was sind die Besonderheiten des älteren Menschen?

Diese liegen im Bereich Epidemiologie, Physiologie/Pathophysiologie und Krankheitsverläufen mit entsprechenden Auswirkungen für Prävention und Rehabilitation. Zusätzliche Besonderheiten resultieren im sozialen und psychischen Bereich.

1. Epidemiologie:

- Alter:  Beginn der „geriatrischen Phase“ ab 65 (oder 70), „Frailty“ gehäuft über 80; keine fixen Altersgrenzen, fließende Übergänge, biologisches Alter ist vor dem kalendarischen zu sehen

- fernere Lebenserwartung: damit ist gemeint die durchschnittliche weitere Lebenserwartung in einem bestimmten Alter. Diese zeigt einen kontinuierlichen Anstieg:

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- Morbiditätsspektrum:

- Häufigkeit von Erkrankungen im höheren Lebensalter (ist anders als bei Jüngeren): typ. Alterskrankheiten (fast nur oder gehäuft im Alter auftretend). Weitere Beispiele siehe: hier (Nr. 2)

- Komorbiditäten: gehäuftes Auftreten von mehreren Erkrankungen nebeneinander (manche davon dekompensiert, andere kompensiert), aber auch Vorliegen von Krankheitsfolgen/Funktionseinschränkungen/Behinderungen

 

2. Physiologie/Pathophysiologie:

- gesamte Homöostase des Organismus auf niedrigerem Niveau; dies hängt u.a. zusammen mit:

- Veränderungen von Organ(system)funktionen mit dem Alter:

            - altersassoziierte Veränderungen (nicht unbedingt: „altersbedingt“)

            - ausgeprägte Variabilität der einzelnen Organ(system)e

            - ausgeprägte inter-individuelle Variabilität

            - starke Interaktion mit funktioneller Beanspruchung (intra-individuelle Variation)

 

            - besondere Bedeutung haben Funktionsverluste der Sinnesorgane: Hören, Sehen, Riechen/Schmecken

 

3. Krankheitsverläufe:

Das Erscheinungsbild von Erkrankungen kann sich im Alter anders darstellen, d.h. die Symptomatik ist anders als man sie klassischerweise erwartet. Sehr wohl gibt es auch im Alter typische Krankheitsbilder und Verläufe, aber es kommen gehäuft eben untypische ("atypische") Symptomatik und Verlauf vor.

Beispiele: Sepsis ohne Fieber, Pneumonie ohne Luftnot und/oder ohne Fieber, akuter Bauch ohne "brettharte Bauchdecken", Verwirrtheit bei Harnwegsinfekt oder Herzinfarkt, Verschlechterung eines vorbestehenden neurologischen Defizits im Rahmen anderweitiger akuter Erkrankungen (wird dann gerne als frischer Schlaganfall interpretiert), Schilddrüsenfunktionsstörungen zeigen sich oft als „Demenz“ oder „Depression“, „Verschlechterung des Allgemeinzustandes“ als unspezifische Präsentation verschiedenster akuter Erkrankungen im Alter.

Viele Komplexe von Symptomen kommen typischerweise im Alter gehäuft zusammen vor und gewinnen als "geriatrische Syndrome" einen quasi eigenständigen Charakter.

Ganz besonders hervorzuheben sind die sog. „4 geriatrischen I’s“:

- Instabilität (Sturzneigung)

- Immobilität

- Intellektuelle Veränderung (Demenz, Depression)

- Inkontinenz.

Typischerweise ist im Alter die Wiedererholung auf den Status von vor der akuten Erkrankung/ggf. vor den akuten Erkrankungen verzögert: verzögerte Rekonvaleszenz.

Gehäuft kommt es im Verlauf zu Komplikationen, dies gilt sowohl für die Phase der Akutbehandlung wie für die gesamte Phase der Rehabilitation.

 

 

4. psychosozialer Bereich:

- in der Regel keine berufliche (Erwerbs-) Tätigkeit mehr: „Rentnerdasein“, finanzielle Situation

- Ausgestaltung eigener Intention auf dem Hintergrund gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und Erwartungen: Finden der „eigenen Erfüllung“

- Bewältigung von Verlusten, auch im sozialen Umfeld

 

 

 

 

© by Dr. med. A. Rahn                                             www.geriatrie-lohne.de