Kennzeichen geriatrischer Medizin:

Die Geriatrie („Altersmedizin“) zeichnet sich in ihrem Vorgehen (Diagnostik, Therapie, Management) durch die besondere Beachtung der Besonderheiten des älteren Patienten aus:

 

1. altersassoziierte physiologische, psychologische und soziale Besonderheiten:

 

- Lebenserwartung (sog. „fernere Lebenserwartung“ in dem jeweiligen Alter)

 

- Organfunktionen, z.B.:

- Nierenfunktion

- Hämostase

- Immunsystem

- Gefäßsystem

- Herz-Kreislauf

- Leberfunktion

- Lungenfunktion

- Hormonstatus

- Homöostase (unter Berücksichtigung der Organfunktionalitäten)

 

- allgemeine soziale Situation

 

- in der Regel Wegfall beruflicher Tätigkeit

 

- individuelle Intention

 

 

2. nur oder gehäuft im Alter auftretende Erkrankungen, oft mit spezieller Symptomatik und/oder Verlauf im Alter, häufige Mehrfacherkrankungen („Multimorbidität“) und Behinderungen:

Beispiele:

 

Erkrankungen, die (fast) nur im Alter auftreten:

- Arteriitis temporalis

 

Erkrankungen, die gehäuft im Alter auftreten:

- Demenzerkrankungen

- Depressionen

- Gefäßerkrankungen (Schlaganfall, Herzinfarkt, AVK, Aneurysmata)

- Tumorerkrankungen

 

Erkrankungen, die im Alter einen speziellen Verlauf nehmen:

- Arteriosklerose

- akute Infektionen (z.B. Pneumonie, Harnwegsinfekte, Sepsis)

- Tumorerkrankungen

 

Syndrome, die im Alter gehäuft auftreten:

- Sturzkrankheit, „Instabilität“

- Demenz / kognitive Störungen

- „Frailty“-Syndrom

 

Multimorbidität im Alter:

- chronische – akute – Erkrankung(en) – Behinderungen => Einschränkung der Alltagskompetenzen, Pflegebedürftigkeit

 

 

3. rehabilitativer Aspekt:

Haupttherapieziel: Förderung (Erhalt) der Alltagskompetenzen [durch Ausführen entsprechender Aktivitäten (=> aktivierende Pflege, Mobilisierung)]

 

Wissenschaftl. Hintergrund: (Bett)Ruhe fast nie sinnvoll, Kompetenzerhalt nur durch Aktivität möglich (vs. Disuse-Effekte)

 

Unterschied zwischen Rehabilitation in der Geriatrie und sonst: Begriffsklärung Rehabilitation

 

 

 

These: jeder Ältere braucht eine Medizin, die seine Besonderheiten berücksichtigt!

 

 

Author: Dr. A. Rahn